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Oświęcim

Für Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen besteht die Möglichkeit, an einer mehrtägigen Bildungsfahrt nach Oświęcim in Polen teilzunehmen. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz.

Oświęcim: Bildungsfahrt der Klasse 10

Vom 11.11.-15.11.24 sind ausgewählte Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 zur Projektfahrt nach Oświęcim, Polen gefahren. Dort haben wir uns mit vier weiteren Schulen aus Leipzig fünf Tage mit dem Konzentrationslager Auschwitz beschäftigt. Wir wohnten in der Jugendbegegnungsstätte und das Essen war gut. Tagsüber haben wir uns das Stammlager “Auschwitz I” und Birkenau angeschaut, abends haben wir in Workshopgruppen das Erlebte künstlerisch verarbeitet. Es gab einen Kunst-, einen Musik-, einen Film-/Foto- und einen darstellendes Spiel Workshop. Am Donnerstagabend wurden unsere Arbeitsergebnisse den Anderen vorgestellt.

Ein Tag ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Mittwoch, der 13.11.2024. Wir hatten um 6:15 Uhr Frühstück und haben danach einige Informationen über das KZ Auschwitz II, auch Auschwitz Birkenau, bekommen. Im Anschluss daran sind wir in die heutige Gedenkstätte gefahren und hatten einen geleiteten Rundgang.

Auschwitz Birkenau war ein Konzentrationslager und das größte Vernichtungslager im NS Staat. Es wurde 1941 auf dem Gebiet der Gemeinde Brzezinka (auf Deutsch Birkenau) erbaut und das komplette Gelände erstreckt sich über eine Fläche von 191 Hektar, also etwa 1,91 Quadratkilometern. Als wir in Auschwitz Birkenau ankamen, sahen wir direkt das Einfahrtsgebäude und die Schienen, über welche die deportierten Menschen in das Lager gelangten, dieses Bild kennen vielleicht auch viele aus dem Internet.

Dann begann unser Rundgang und wir gingen zuerst in diesem Gebäude nach oben, von da aus konnte man fast über das komplette Lager sehen und in diesem Moment hat man erst richtig realisiert, wie riesig das Gelände wirklich ist. Wir hatten einen sehr detaillierten Rundgang und haben nahezu alles besichtigen können. Viele Teile des Geländes wurden von den Nazis zerstört vor der Befreiung der roten Armee, die Nazis wollten die Beweise beseitigen. Unter anderem wurde eines der Krematorien zerbombt. Als wir dort draußen standen hat es begonnen zu schneien und uns war allen unglaublich kalt, jedoch hat sich dieser Gedanke so lächerlich angefühlt, weil man sich nicht mal ansatzweise vorstellen konnte wie viel schlimmer es für die Häftlinge gewesen sein muss die keine gefütterten Winterjacken hatten. Wir standen auch an der sogenannten Judenrampe, an welcher die Häftlinge ankamen. Dort haben die Selektionen stattgefunden.

Wir sind durch die Baracken gegangen und haben gesehen, unter welchen Umständen die Menschen dort leben mussten. Unter anderem waren wir in einer Kinderbaracke und haben gesehen, dass sich dort an den Wänden Malereien und Zeichnungen befanden und uns wurde erzählt, dass dies gemacht wurde, um den Kindern, wenn auch nur ein wenig, die Angst zu nehmen.

Wir sind vorbeigegangen an den Gaskammern, an den Krematorien und an dem Ort, wo alle Habseligkeiten der Häftlinge sortiert und gelagert wurden. Wir sind herumgelaufen mit dem Privileg diesen Ort wieder verlassen zu können und das mit dem Gedanken, das genau da wo wir gerade unsere Schritte gemacht haben, so unbegreiflich viele Menschen ums Leben gekommen sind. Das war ein unbeschreibliches Gefühl.

Noch am selben Tag sind wir in das Franziskaner Kloster Hermeze gefahren um die Kunstausstellung "Klischees der Erinnerung. Labyrinthe" des Holocaust Überlebenden Marian Kołodziej zu besichtigen. Er hat fast 50 Jahre lang nicht über das geredet, was er im KZ Auschwitz erlebt hat, weder mit seinen Freunden, noch mit seiner eigenen Frau oder seinem Kind. Dann erlitt er jedoch einen Schlaganfall und wurde halbseitig gelähmt. Daraufhin bemerkte er, dass sein Leben fragil ist und entschied sich eine Exposition zu gestalten.

Er zeichnete ungefähr 15 Jahre über 200 Bilder, die er dort ausstellte. Seine Bilder lösen so unheimliche und extreme Gefühle aus. Ich erinnere mich noch wie ich vor seinen Bildern stand und mich hätte stundenlang in den Details seiner Kunst verlieren können. Immer wieder taucht seine Häftlingsnummer 432 in seinen Kunstwerken auf. Bei vielen Bildern konnte man sehen wie er zuerst mit Bleistift und dann mit einem Kugelschreiber vorgegangen ist.

Seine Werke erzählen eine Geschichte: Seine Geschichte, wie er die Shoa (hebräisch Holocaust) überlebt hat. Die Kunstwerke sind so von bedrückenden Emotionen geladen, dass es schwer ist meine Gefühle aus diesem Moment in Worte zu fassen. Es war unglaublich herzzerreißend aber auch irgendwie schön zu sehen, dass er auf so eine besondere Weise mit seinen Erfahrungen umgeht.

geschrieben von einem Schüler der 10a

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